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Eindrücke von der ersten Runa-Masi-Reise, August
2004
2.8.
Flughafen München – abends, 23 Stunden Flug
stehen den 7 deutschen Reisenden bevor, die von Dr. Raimund
Schramm zu den Runa-Masi-Projekten in Ayopaya und zu verschiedenen
archäologischen Stätten in allen Teilen Boliviens
geführt werden … Paris … Sao Paulo …
3.8.
… Asunción … Santa Cruz de la Sierra
– und endlich mit etwas Verspätung die Ankunft
in Cochabamba am frühen Nachmittag. Am Flughafen
erwarten uns bereits Dr. Carlos Aquino, der Koordinator
der Reise in Bolivien, und Jorge Aquino, der führende
Kopf des Centro Cultural Ayopayamanta.
Nach erholsamen, ruhigen Stunden im Hotel sind wir am
Abend zu einer Begegnung mit Mitarbeitern des Kulturzentrums
und der Folkloregruppe Sacambaya eingeladen. Trotz der
etwas kühlen Temperaturen herrscht fast ausgelassene
Stimmung, als Sacambaya einige Stücke von ihrer neuen
CD spielt.
4.8.
Früh am Vormittag fahren wir zur Christusstatue auf
dem San Pedro, einem Hügel, der das Stadtgebiet Cochabambas
überragt. Von dort hat man einen herrlichen Blick
über die Tallandschaften und auf das Tunari-Massiv,
kann ermessen, wie die Stadt in den letzten Jahrzehnten
gewachsen ist, und muss leider auch beobachten, dass die
Dunstglocke, deren Verursacher die weiter zunehmenden
Trufi-Kleinbusse sind, sich weiter ausbreitet.
Danach besuchen wir das Museo Arqueológico, das
von den Archäologen der Universität San Simón
geleitet wird und erhalten eine kundige Führung durch
die unermesslichen Weiten der andinen Geschichte bis zur
Gegenwart. Das Mittagessen ist vor allem erwähnenswert,
weil wir das erste Mal die Yajwa (sprich: Jachwa) kennen
lernen, eine scharfe Sauce zu Suppe, Fleisch oder einfach
nur aufs Brot, die uns bis zum Ende unserer Reise begleiten
wird.
Gestärkt von einem guten Essen wandern wir am Nachmittag
durch die Kancha, den zentralen Markt der Stadt, auf dem
man wirklich alles kaufen kann – angefangen bei
rituellen Gegenständen für indianische Riten
(z.B. Lamaföten) über Unterhosen, Babynahrung
und Zigaretten bis hin zu den Kostbarkeiten der bolivianischen
Ernten (wirklich frische Bananen, Mandarinen, Papaya und
die Vielfalt der Kartoffel). Staunend zwängen wir
uns durch die überdachten Gänge, stoßen
immer wieder auf Menschenmassen – Mittwoch ist neben
Samstag der zentrale Markttag – und werden von den
Marktfrauen mit Interesse beobachtet.
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5.8.
Roberto
erscheint, er ist neben Carlos unser zweiter Fahrer –
beide sehr zuverlässig und ortskundig. Heute machen
wir uns auf den Weg nach Independencia, 160 km auf Staub-
und Schotterpisten, für die man 5-6 Stunden braucht
– von einer Kurve in die nächste, bergauf und
bergab, von 2500 auf weit über 4000 und dann wieder
hinab auf unter 2000 Meter. Aber immer begleitet von einer
großartigen Kulisse: schroffes Hochgebirge, fruchtbare
Felder, wüste Kakteentäler – und endlich
nach abenteuerlicher Fahrt das sanfte Tal von Independencia.
Hier werden wir ebenfalls bereits erwartet, wie wir dem
Programm des Radiosenders "Radio Ayopaya" entnehmen
konnten. Untergebracht sind wir im Inti Wasi, dem "Solarhaus"
und Stolz des Kulturzentrums, das jetzt auch europäischen
Touristengruppen einen bequemen Aufenthalt in Ayopaya ermöglicht.
6.8. Nationalfeiertag!
Der größte Teil der Gruppe fährt über
Chuchuani weiter nach Tunaspampa, von wo aus die größte
Wanderung der Reise gestartet wird. Zunächst der Abstieg
auf den Crestón, eine präinkaische Festungsanlage,
die in die Mündung des Río Sacambaya und Río
Santa Rosa hineinragt. Kondore scheinen den Eingang zu bewachen.
Nach einer kurzen Erkundung geht’s runter an den Fluss,
wo ein kleines Mittagessen zubereitet wird. Nach der Durchquerung
des Flusses folgt man dem Canyon flussaufwärts, bis
Pampa Grande erreicht ist. Dort erwartet die Gruppe eine
einfache Übernachtungsmöglichkeit inmitten von
Gärten mit Zitrusfrüchten, Chilischoten, Bananenstaudenm,
Zuckerrohr – sogar Coca kann dank des ausgezeichneten
Klimas angebaut werden. Für Carlos das Paradies auf
Erden!
Der Rest der Gruppe fährt nach Sivingani, einer der
Orte, in denen Runa Masi eine Wasserleitung finanziert hat,
und weiter zum Cerro Sapo, einer Lapislazulimine. Auf dem
Rückweg kurzer Halt in Ichuloma, eine der ersten Gemeinden,
die mit einer Wasserleitung versorgt wurde. |
7.8.
Von Pampa Grande auf 1800 m zurück auf knapp 3000
m Höhe – ein beschwerlicher Aufstieg, der etwas
gemildert wird durch das bewölkte Wetter –
die Sonne sticht nicht herab! Zurück in Independencia
sind sich alle einig, dass dieser Ausflug einer der Höhepunkte
der Reise gewesen ist. Diese Meinung wird auch noch am
Ende der Reise vertreten.
8.8.
Besuch der Gemeinde La Vega, in der das bislang letzte
Projekt von Runa Masi durchgeführt wurde/wird. Die
Gemeindevertreter empfangen uns mit einer Watiya, einem
traditionellen Essen, das in einem Erdofen gekocht wird,
dazu gibts traditionell Chicha, das "Maisbier",
von dem der Europäer nicht zuviel trinken sollte.
Daran anschließend sehen wir uns die geleisteteten
Arbeiten an und erkennen, wie schwierig es ist, aufgrund
des unstabilen Geländes (Erdrutsche und ein bis zu
100m aufragendes Steilufer) das Wasser vom Fluss auf die
Felder gelangen zu lassen. Gemeinsam diskutieren wir,
was für eine dauerhafte Lösung getan werden
könnte. Am Nachmittag fahren wir noch etwas weiter
auf eine nicht mehr bewohnte Hacienda, in der früher
Zuckerrohr gepresst wurde; die alte Presse ist noch zu
sehen.
9.8.
Chuñawi ist eine der größten Gemeinden
in Ayopaya, die von Runa Masi immer wieder unterstützt
wurde. Die erfreulich positiven Ergebnisse lernen wir
auf einer Wanderung durch die Gemeinde kennen. Besonders
beeindruckt uns die Schule, in der uns Kinder Texte auf
Quechua und Spanisch vortragen oder einen der letzten
Hits Boliviens (Cholita Marina) begeistert vorsingen.
Wer Ayopaya seit langer Zeit kennt, muss feststellen,
wie viel sich hier zum Positiven verändert hat.
10.8.
Fahrt nach Machaca, wo eines der neuen Projekte von Runa
Masi verwirklicht werden soll: der Bau einer kleinen "Hygienestation"
mit öffentlichen Toiletten, Duschen und Wasserbecken
zum Wäschewaschen. Von hier gehts auf abenteuerlichen
Pfaden weiter nach Choro, einer kleinen Gemeinde hoch
über dem Río Ayopaya, von wo man einen fantastischen
Blick auf die Königskordillere bis zum Illimani hat,
dem Hausberg von La Paz. In Choro gehen wir ebenfalls
die Wasserleitung ab und hören von den Campesinos
von Schwierigkeiten der Wasserversorgung.
11.8.
"Ruhetag" in Independencia und Verabschiedung
vom Team des Centro Cultural Ayopayamanta.
Besichtigung des vom Kulturzentrum angelegten Botanischen
Gartens, an dessen Stelle früher die Müllhalde
lag, einer ersten "Hygienestation" in einem
Stadtrandviertel und des Abwassersystems/Kläranlage,
das von der Gemeindeverwaltung und Ayopayamanta gemeinsam
errichtet wurde.
12.8.
Heute steht der Besuch eines der Geheimnisse von Ayopaya
an: am Río Sacambaya stehen die Überreste
einer einstmals beeindruckenden Befestigungsmauer aus
präinkaischer Zeit. Von ihr sind ebenso wie von den
Fundamenten einer davor gelegenen Siedlung nur noch trauruge
Reste übrig. Zum einen waren es sog. Waqueros, die
auf der Suche nach antiken Schätzen in der Anlage
gewütet haben, zum anderen die Flutwellen der beiden
Flüsse, die an diesem Ort zusammenströmen.
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13.8.
Wir verlassen heute Ayopaya und fahren auf einsamen Straßen
über Oruro und dem wuchernden El Alto bis zum Titicaca-See,
nach Copacabana. 10 Stunden Fahrt durch die Anden (bis
hinauf auf 4700 m Höhe) und auf dem Hochland. Nach
Sonnenuntergang überqueren wir auf einer Fähre
die Seeenge von Tiquina, wo wir die eisigen Winde spüren.
14.8.
Mit
einem kleinen Boot fahren wir auf die Sonneninsel mitten
im Titicaca-See. Nach der Mythologie der Inkas liegt hier
einer ihrer Ursprungsorte. Deshalb sieht man bereits auf
der Fahrt an den Ufern die Reste alter Terrassen, mit
deren Hilfe der inkaische Staat die andine Landwirtschaft
revolutionierte. An der Westseite der Insel entlang hat
man einen großartigen Blick auf das Massiv des Illampu,
des zweithöchsten Berges Boliviens. Erst am Nordufer
der Insel steigen wir aus, besuchen nach einer kleinen
Wanderung die Reste eines alten Inkapalastes und essen
zurückgekehrt an den Strand eine leckere Forelle.
Am Nachmittag machen wir kurz Station am Sonnentempel
an der Südspitze der Insel. Abends sind wir wieder
zurück in Copacabana, wo wir noch Zeit finden, die
Kirche des Augustinerklosters zu besuchen, die hier im
16. Jahrhundert auf den Fundamenten alter inkaischer Bauten
errichtet wurde. Hier stand ein Heiligtum der Pachamama,
der andinen Erdgöttin, die in der Kolonialzeit in
der Jungfrau Maria aufging bzw. sich mit ihr vereinte.
15.8.
Kleiner Abstecher nach Peru – an der Grenze erfahren
wir, wie mühsam es sein kann, ein anderes Land zu
besuchen. Nach der Wiedereinreise in Bolivien machen wir
Halt in Tiwanaku, dem Ort der ältesten indianischen
Zivilisation in den bolivianischen Anden.
Am Abend kommen wir nach La Paz, den Sitz der bolivianischen
Regierung.
16. und 17.8.
Spaziergänge: zur Plaza Murillo, dem Hauptplatz,
wo Parlament, Präsidentenpalast und Kathedrale stehen,
den Prado, die Prachtstraße der Hauptastadt, hinab
bis zur Universität, in das Ethnographische Museum
und weitere koloniale Museen in der Calle Jaen, ins bizarre
"Mondtal" und zum Konvent von San Francisco,
einem Paradebeispiel des lateinamerikanischen Mestizenbarock.
Daneben blieb viel Zeit für eigene Shopping-Unternehmungen
rund um die Calle Sagárnaga, in der auch unser
Hotel lag. Abends hatten einige energiegeladene noch Lust
die Kneipenszene in La Paz kennenzulernen. Spezialtipp:
Diesel Nacional!
18.8.
Weiterfahrt über verschneite Straßen in Richtung
der Yungas über einen beinahe 5000 m hohen Pass.
Dahinter fällt die Landschaft abrupt ab in tief eingeschnittene
Täler, die die subtropischen Yungas bilden. Jeden
Kilometer taucht man ein Stück mehr ein in die warmen
Gefilde und verlässt die schneidene Kälte des
Hochlandes. Wenn die Wolken es erlauben, hat man jedoch
immer wieder einen Ausblick auf die Schneeberge rund um
die bolivianische Hauptstadt. Auf engen Straßen
machen wir zwei Abstecher: nach Yanacachi, das in der
frühen Kolonialzeit als "Hauptstadt" der
indianischen Schamanen galt, und zur Mine San Francisco,
in der uns Carlos die Geschichte und die Methode des bolivianischen
Zinnabbaus erklärt.
Am Abend kommen wir am Ziel der
Reise an, dem Hotel Tamanpaya, das traumhaft oberhalb
eines Flusses gelegen ist. Nach allen Strapazen der Reise
genießen wir die ruhige, angenehme Atmosphäre
des Hotels in tropischer Landschaft. Pool, Länderspiele
am Kicker, Pisco Sour und gutes Essen tragen sehr zu unserer
guten Laune bei.
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19.8. Wanderung
durch die Coca-Felder oberhalb des Hotels. Die Cocapflanze,
ein niedriger Strauch, von dem mehrmals im Jahr Blätter
geerntet werden können, die dann zum Trocknen ausgelegt
werden, ist völlig zu Unrecht in Verruf geraten. Für
alle indianischen Völker der Anden war sie wegen ihrer
therapeutischen und rituellen Kräfte die wichtigste
Kulturpflanze. 20.8.
Rückfahrt über La Paz und Oruro nach Cochabamba.
21.8.
Frei! Am Abend besuchen wir eine Hochzeit in Quillacollo,
weil dort Sacambaya spielen und wir zu diesem "Konzert"
eingeladen sind. 22.8.
Anreise nach Samaypata durch das Valle Alto (bis dahin sind
die Straßen gut geteert!!!), bergauf, bergab, durch
Siberia, einer Bergkette, die zwischen Anden und amazonischem
Tiefland liegt und von der eine meistens in dichte Wolken
gehüllte, völlig aufgeweichte Straße von
3900 auf 2000 m nach Comarapa hinabführt. Die letzten
100 km begleiten uns sowohl Kakteen, dann wieder fruchtbare
Mandarinengärten. Am Abend quartieren wir uns in einer
Anlage mit Ferienhäuschen ein, die erkennbar von deutschen
Besitzern geführt wird. 23.8.
Besuch des roten Felses von Samaypata. Hier haben in den
letzten Jahren deutsche und bolivianische Archäologen
gute Arbeit geleistet und die präinkaischen und inkaischen
Reste einer Siedlung freigelegt.
Später am Nachmittag fahren wir noch ein Stück
weiter, um herrliche Wasserfälle in tropischer Landschaft
zu bestaunen. Leider ist Surazo, der Himmel bewölkt
und ein kalter Wind weht. Dies kann einem auch in den bolivianischen
Tropen passieren: Ursache sind Luftströmungen, die
aus den kalten Weiten Patagoniens bis in den amazonischen
"Norden" kommen und für eine Art Schafskälte
sorgen. So kann sich nur unser "Naturbursche"
Carlos aufraffen und einen kleinen Schwumm machen.
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24.8.
In
aller Frühe (!) Aufbruch nach Inkallajta, der bedeutendsten
Inka-Stätte Boliviens. Auch hier haben bolivianische
Archäologen dafür gesorgt, dass Touristen geführt
werden und etwas sehen. Vor einigen Jahren sah man hier
vor allem Gestrüpp, wenn man überhaupt mit dem
Auto bis zu der Anlage vorstieß (Erdrutsche!). Das
beachtlichste Bauwerk dort ist eine riesige multifunktionale
Halle, deren Ausmaße erstaunen. Über die Bestimmung
der gesamten Siedlung weiß man kaum etwas. Man vermutet,
dass dort ein wichtiges Verwaltungszentrum gebaut wurde,
das die südöstlichen Regionen des Inkareiches
regierte. Sehr erfreulich ist, dass die Sehenswürdigkeiten
heute von Campesinos der Region gezeigt werden, die durch
den Tourismus auch selbst etwas verdienen.
25.8.
Verabschiedung von den Mitarbeitern des Kulturzentrums,
Einkaufstag in Cochabamba und Besuch einer der größten
Ex-Haciendas in Bolivien im Tal von Cochabamba (Besitzer:
die Familie Patiño, die dank ihrer Zinnminen bis
1950 zu den reichsten Familien des Landes zählte)
26.8.
Abflug nach Deutschland |
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