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Durch Spenden konnten wir im Jahr 2002 an Ayopayamanta
den Betrag von 11.840 € überweisen. Folgende Projekte
wurden dabei unterstützt:
- Bewässerungssysteme in den Gemeinden
von Buena Vista und La Vega (weitgehend abgeschlossen)
- Kauf eines Computers im Rahmen einer kommunikationswissenschaftlichen
Fortbildungsmaßnahme (Radio Ayopaya) für Norma
Estrada (800 €)
Auch in dem zu Ende gehenden Jahr waren
viele Meldungen in den Medien einmal mehr geprägt durch
kriegerische Konflikte und Katastrophen. Davon betroffen waren
im vergangenen August auch weite Teile Deutschlands und Europas,
als die Pegel vieler Flüsse durch sintflutartige Regenfälle
anstiegen, weite Landschaften und Siedlungen überflutet
wurden und Tausende von Menschen durch die Hochwasser bedroht
waren. Die duetsche Bevölkerung reagierte entsetzt, aber
auch unerwartet hilfsbereit auf die Not der betroffenen Menschen.
Ebenfalls im August wurde in vielen
Medien vom Umweltgipfel aus Johannesburg berichtet, auf dem
auch das Thema "Wasser" eine bedeutende Rolle spielte.
Und wiederum war es Anlass für erschrockene Reaktionen,
wenngleich die Konsequenzen aus den dort diskutierten Prognosen
für uns Menschen des wohlhabenden Nordens weniger bedrohlich
wirken.

Doch den Menschen in Bolivien, vor allem der indianischen Landbevölkerung,
dürften sie ein treffendes Bild ihrer Realität spiegeln.
Verschmutztes Trinkwasser ist Todesursache
Nummer eins. An den Folgen sterben etwa zehnmal so viele Menschen,
wie durch Kriege umkommen.
Es bedarf aber keiner Kriegserklärung,
um millionenfachen Tod über die Erde zu bringen. Während
es sich jeder Deutsche leisten kann, pro Tag 130 Liter besten
Trinkwassers weitgehend für Hygiene und Toilettenspülungen
zu verbrauchen, haben nach Schätzungen der Vereinten Nationen
weltweit ungefähr 1,2 Milliarden Menschen keinen Zugang
zu sauberem Wasser.
Etwa 2,4 Milliarden müssen ohne Abwasserentsorgung auskommen
– mit gravierenden Folgen. Verschmutztes Trinkwasser ist
Todesursache Nummer eins, an den Folgen sterben jährlich
vier bis fünf Millionen Menschen, die Hälfte von ihnen
Kinder. Das sind etwa zehnmal so viele Menschen, wie durch Kriege
umkommen.
Weil sich Trinkwasser nicht wie Erdöl beliebig transportieren
und aufbewahren lässt, kann man Abhilfe nur an Ort und
Stelle schaffen. Wie das geschehen kann, darüber wurde
auf zahlreichen Fachkonferenzen schon vor dem Weltgipfel von
Rio (1992) verhandelt. Es gab nationale und internationale Aktionsprogramme
mit erheblichen Investitionen, das Ergebnis war allerdings ernüchternd.
Zwar konnte der Anteil der mit sauberem Wasser versorgten Menschen
in den achtziger Jahren auf 70 Prozent gesteigert werden. Jedoch
änderte sich kaum die absolute Zahl derer, die davon ausgeschlossen
blieben.
Die
Gründe sind vielfältig. Neben dem Bevölkerungswachstum
spielt die zunehmende Verstädterung eine Rolle. „Wenn
die Energie und das Trinkwasser nicht aufs Land kommen, zieht
die Landbevölkerung in die Stadt“, lautet eine Regel.
Eine der Lehren der Vergangenheit lautet, dass zentrale Lösungen,
an denen die multinationalen Konzerne interessiert sind, nur
bedingt helfen. Um den Trend zur Landflucht aufzuhalten, bedarf
es lokaler, mit der Bevölkerung entwickelter Konzeptionen,
in die vor allem die Frauen einbezogen werden.
Und es wird nicht ausreichen, die Millenniumsdeklaration der
Vereinten Nationen einfach nur zu bekräftigen: Bis 2015
soll der Anteil der Menschen ohne sauberes Wasser halbiert werden.
Wie das geschehen soll, darauf erwarteten die Betroffenen in
Johannesburg eine konkrete Antwort.
In
Ayopaya durften in den vergangenen Jahren viele indianische
Gemeinden dank Ihrer Spenden und der Zusammenarbeit zwischen
Runa Masi und dem Kulturzentrum Ayopayamanta eine Verbesserung
ihrer Lebenssituation erfahren.
Trinkwasser- und Bewässerungsprojekte haben auch dazu beigetragen,
dass die Kleinbauern eine Zukunftsperspektive haben und die
Attraktionen der Großstädte kaum Einfluss auf ihre
Lebensplanung haben. Dies – so scheint mir – ist
auch eine Auswirkung gelebter Solidarität mit den Menschen
des Südens.
Eine ganz besondere Form der Solidarität
üben derzeit zwei junge Menschen – Stefanie Gänger
und Louis Widemann –, die heuer ihr Abitur in Regensburg
gemacht haben und durch die Vermittlung von Runa Masi seit September
2002 ein soziales Praktikum in den Projekten von Ayopayamanta
leisten.
Ihre ersten Eindrücke aus einer völlig anderen Welt
möchten wir abschließend gerne weitergeben.
Als
wir Anfang September nach Bolivien kamen, waren unsere Gefühle
gemischt. Einerseits hatten wir ein wenig Angst, da sich unsere
Sprachkenntnisse auf „Hola“, „Chau“
und „ yo no entiendo Castellano“ beschränkten.
Andererseits war uns klar, dass wir in Bolivien mit einer komplett
anderen Kultur konfrontiert würden. Genau dies war jedoch
einer unserer Gründe gewesen Lateinamerika als Ziel auszuwählen.
Trotz der anfänglichen Kommunikationsschwierigkeiten
wurden wir sehr herzlich aufgenommen. Nie fehlte es uns an Menschen,
die uns über die regionalen Bräuche aufklärten,
uns zu Reisen einluden und uns die bolivianische Küche,
Mentalität oder auch die ein oder andere Fiesta näherbrachten.
Durch die Initiative beider Seiten haben wir uns schnell einleben
können, da auch unsere Bekanntschaften hier mit grosser
Offenheit und Intersse an uns und an unserer Kultur herangetreten
sind. Dank eines Kurses und der Geduld unserer Gesprächspartner
wurden die Sparchkenntnisse besser und aus anfänglichen
Bekanntschaften entstanden schnell Freundschaften. Diese waren
von einer für uns zunächst ungewöhnlichen Wärme
und Vertrautheit geprägt. Die Liebenswürdigkeit hier
ist nicht nur bei Freunden,
sondern auch bei Fremden, wie einem geschwätzigen Taxifahrer
oder einer freundlichen Tienda[Laden-]besitzerin zu spüren.
Die
soeben erwähnten Freundschaften sind nicht zuletzt auch
durch das Zusammenleben mit einigen Mitarbeitern des Centros
Ayopa-yamanta entstanden. Dank des positiven und freundschaftlichen
Arbeitsklimas haben wir die Arbeit nie als Last empfunden. Faszinierend
für uns ist ebenso die unermüdliche Motivation der
MitarbeiterInnen, obwohl manche seit Monaten kein Gehalt erhalten
haben. Nach den ersten Eindrücken wurde uns schnell bewusst,
wie bedeutend und wichtig die Arbeit des Centros für die
Region Ayopaya ist: Radio Ayopaya stellt schließlich die
einzige Quelle für Information und Unterhaltung dar, denn
das Zeitalter von Technologie und Kommunikation ist noch nicht
bis in diese Region vorgedrungen. Ebenso zählt das Wasserleitungsprojekt
des Centros zu einem der wichtigsten, da es die einzelnen Gemeinden
nach und nach mit fließendem Wasser versorgt.
Unsere
Hauptaufgabe liegt in der Umwelterziehung an Landschulen. In
diesem Projekt wird den Campesinokindern an 17 Landschulen Ayopayas
Basiswissen über Themen wie Hygiene, Gesundheit, Natur
und Umweltschutz vermittelt. Diese für Europa selbstverständlichen
Kenntnisse werden von den Mitarbeitern des Centros und uns vermittelt.
Die Themen werden in Form einer Radiogeschichte mit anschließendem
Gespräch darüber, einem Arbeitsblatt und einem praktischen
Teil oder der Arbeit im Schulgarten durchgenommen.
Unsere erste Zeit in den Landschulen gestaltete sich schwierig,
da zu den Sprachbarrieren (ein Großteil der Kinder spricht
ausschließlich Ketchua) Schüchternheit und Angst
der Kinder dazukamen, da wir teilweise die ersten Gringas/os
waren, welche die Kinder je zu Gesicht bekommen haben. Im Laufe
der Zeit schwanden jedoch die Berührungsängste und
die Begegnung mit den Kindern wurde durch ihre Neugier und Anhänglichkeit
für uns zu einem unvergesslich einzigartigen Erlebnis –
auch wenn uns gewisse Dinge anfangs schockiert haben, zum Beispiel
als wir feststellen mussten, dass elfjährige Kinder noch
nie in ihrem Leben Zähne geputzt hatten.
Solch ein Tag endete stets in dem gemeinsam mit dem Centro angelegten
Schulgarten. Die dort angepflanzten Gemüsesorten dienen
als Ergänzung des sonst nur aus Kartoffeln oder Brot bestehenden
Mittagessens für die Kinder. Wir sind davon überzeugt,
dass diese Gärten nicht nur eine Änderung des Essverhaltens,
sondern auch eine Verbesserung der gesamten Lebensqualität
mit sich bringen.
Jedoch wird dieses Projekt erst in den nächsten Generationen
wirklich Früchte tragen, wenn sich die Lebensbedingungen
soweit geändert haben, dass die Umsetzung des Wissens auch
im täglichen Leben möglich ist.
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