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Wasser – Mittel zum Leben und Keim des Todes

Projekte 2002

2003

Projekte 2002
zu Projekte 2003

Durch Spenden konnten wir im Jahr 2002 an Ayopayamanta den Betrag von 11.840 € überweisen. Folgende Projekte wurden dabei unterstützt:

  • Bewässerungssysteme in den Gemeinden von Buena Vista und La Vega (weitgehend abgeschlossen)
  • Kauf eines Computers im Rahmen einer kommunikationswissenschaftlichen Fortbildungsmaßnahme (Radio Ayopaya) für Norma Estrada (800 €)


Auch in dem zu Ende gehenden Jahr waren viele Meldungen in den Medien einmal mehr geprägt durch kriegerische Konflikte und Katastrophen. Davon betroffen waren im vergangenen August auch weite Teile Deutschlands und Europas, als die Pegel vieler Flüsse durch sintflutartige Regenfälle anstiegen, weite Landschaften und Siedlungen überflutet wurden und Tausende von Menschen durch die Hochwasser bedroht waren. Die duetsche Bevölkerung reagierte entsetzt, aber auch unerwartet hilfsbereit auf die Not der betroffenen Menschen.

Ebenfalls im August wurde in vielen Medien vom Umweltgipfel aus Johannesburg berichtet, auf dem auch das Thema "Wasser" eine bedeutende Rolle spielte. Und wiederum war es Anlass für erschrockene Reaktionen, wenngleich die Konsequenzen aus den dort diskutierten Prognosen für uns Menschen des wohlhabenden Nordens weniger bedrohlich wirken.


Doch den Menschen in Bolivien, vor allem der indianischen Landbevölkerung, dürften sie ein treffendes Bild ihrer Realität spiegeln.

Verschmutztes Trinkwasser ist Todesursache Nummer eins. An den Folgen sterben etwa zehnmal so viele Menschen, wie durch Kriege umkommen.

Es bedarf aber keiner Kriegserklärung, um millionenfachen Tod über die Erde zu bringen. Während es sich jeder Deutsche leisten kann, pro Tag 130 Liter besten Trinkwassers weitgehend für Hygiene und Toilettenspülungen zu verbrauchen, haben nach Schätzungen der Vereinten Nationen weltweit ungefähr 1,2 Milliarden Menschen keinen Zugang zu sauberem Wasser.

Etwa 2,4 Milliarden müssen ohne Abwasserentsorgung auskommen – mit gravierenden Folgen. Verschmutztes Trinkwasser ist Todesursache Nummer eins, an den Folgen sterben jährlich vier bis fünf Millionen Menschen, die Hälfte von ihnen Kinder. Das sind etwa zehnmal so viele Menschen, wie durch Kriege umkommen.
Weil sich Trinkwasser nicht wie Erdöl beliebig transportieren und aufbewahren lässt, kann man Abhilfe nur an Ort und Stelle schaffen. Wie das geschehen kann, darüber wurde auf zahlreichen Fachkonferenzen schon vor dem Weltgipfel von Rio (1992) verhandelt. Es gab nationale und internationale Aktionsprogramme mit erheblichen Investitionen, das Ergebnis war allerdings ernüchternd. Zwar konnte der Anteil der mit sauberem Wasser versorgten Menschen in den achtziger Jahren auf 70 Prozent gesteigert werden. Jedoch änderte sich kaum die absolute Zahl derer, die davon ausgeschlossen blieben.


Die Gründe sind vielfältig. Neben dem Bevölkerungswachstum spielt die zunehmende Verstädterung eine Rolle. „Wenn die Energie und das Trinkwasser nicht aufs Land kommen, zieht die Landbevölkerung in die Stadt“, lautet eine Regel. Eine der Lehren der Vergangenheit lautet, dass zentrale Lösungen, an denen die multinationalen Konzerne interessiert sind, nur bedingt helfen. Um den Trend zur Landflucht aufzuhalten, bedarf es lokaler, mit der Bevölkerung entwickelter Konzeptionen, in die vor allem die Frauen einbezogen werden.
Und es wird nicht ausreichen, die Millenniumsdeklaration der Vereinten Nationen einfach nur zu bekräftigen: Bis 2015 soll der Anteil der Menschen ohne sauberes Wasser halbiert werden. Wie das geschehen soll, darauf erwarteten die Betroffenen in Johannesburg eine konkrete Antwort.

In Ayopaya durften in den vergangenen Jahren viele indianische Gemeinden dank Ihrer Spenden und der Zusammenarbeit zwischen Runa Masi und dem Kulturzentrum Ayopayamanta eine Verbesserung ihrer Lebenssituation erfahren.

Trinkwasser- und Bewässerungsprojekte haben auch dazu beigetragen, dass die Kleinbauern eine Zukunftsperspektive haben und die Attraktionen der Großstädte kaum Einfluss auf ihre Lebensplanung haben. Dies – so scheint mir – ist auch eine Auswirkung gelebter Solidarität mit den Menschen des Südens.

Eine ganz besondere Form der Solidarität üben derzeit zwei junge Menschen – Stefanie Gänger und Louis Widemann –, die heuer ihr Abitur in Regensburg gemacht haben und durch die Vermittlung von Runa Masi seit September 2002 ein soziales Praktikum in den Projekten von Ayopayamanta leisten.
Ihre ersten Eindrücke aus einer völlig anderen Welt möchten wir abschließend gerne weitergeben.

Als wir Anfang September nach Bolivien kamen, waren unsere Gefühle gemischt. Einerseits hatten wir ein wenig Angst, da sich unsere Sprachkenntnisse auf „Hola“, „Chau“ und „ yo no entiendo Castellano“ beschränkten. Andererseits war uns klar, dass wir in Bolivien mit einer komplett anderen Kultur konfrontiert würden. Genau dies war jedoch einer unserer Gründe gewesen Lateinamerika als Ziel auszuwählen.

Trotz der anfänglichen Kommunikationsschwierigkeiten wurden wir sehr herzlich aufgenommen. Nie fehlte es uns an Menschen, die uns über die regionalen Bräuche aufklärten, uns zu Reisen einluden und uns die bolivianische Küche, Mentalität oder auch die ein oder andere Fiesta näherbrachten. Durch die Initiative beider Seiten haben wir uns schnell einleben können, da auch unsere Bekanntschaften hier mit grosser Offenheit und Intersse an uns und an unserer Kultur herangetreten sind. Dank eines Kurses und der Geduld unserer Gesprächspartner wurden die Sparchkenntnisse besser und aus anfänglichen Bekanntschaften entstanden schnell Freundschaften. Diese waren von einer für uns zunächst ungewöhnlichen Wärme und Vertrautheit geprägt. Die Liebenswürdigkeit hier ist nicht nur bei Freunden,
sondern auch bei Fremden, wie einem geschwätzigen Taxifahrer oder einer freundlichen Tienda[Laden-]besitzerin zu spüren.


Die soeben erwähnten Freundschaften sind nicht zuletzt auch durch das Zusammenleben mit einigen Mitarbeitern des Centros Ayopa-yamanta entstanden. Dank des positiven und freundschaftlichen Arbeitsklimas haben wir die Arbeit nie als Last empfunden. Faszinierend für uns ist ebenso die unermüdliche Motivation der MitarbeiterInnen, obwohl manche seit Monaten kein Gehalt erhalten haben. Nach den ersten Eindrücken wurde uns schnell bewusst, wie bedeutend und wichtig die Arbeit des Centros für die Region Ayopaya ist: Radio Ayopaya stellt schließlich die einzige Quelle für Information und Unterhaltung dar, denn das Zeitalter von Technologie und Kommunikation ist noch nicht bis in diese Region vorgedrungen. Ebenso zählt das Wasserleitungsprojekt des Centros zu einem der wichtigsten, da es die einzelnen Gemeinden nach und nach mit fließendem Wasser versorgt.

Unsere Hauptaufgabe liegt in der Umwelterziehung an Landschulen. In diesem Projekt wird den Campesinokindern an 17 Landschulen Ayopayas Basiswissen über Themen wie Hygiene, Gesundheit, Natur und Umweltschutz vermittelt. Diese für Europa selbstverständlichen Kenntnisse werden von den Mitarbeitern des Centros und uns vermittelt. Die Themen werden in Form einer Radiogeschichte mit anschließendem Gespräch darüber, einem Arbeitsblatt und einem praktischen Teil oder der Arbeit im Schulgarten durchgenommen.

Unsere erste Zeit in den Landschulen gestaltete sich schwierig, da zu den Sprachbarrieren (ein Großteil der Kinder spricht ausschließlich Ketchua) Schüchternheit und Angst der Kinder dazukamen, da wir teilweise die ersten Gringas/os waren, welche die Kinder je zu Gesicht bekommen haben. Im Laufe der Zeit schwanden jedoch die Berührungsängste und die Begegnung mit den Kindern wurde durch ihre Neugier und Anhänglichkeit für uns zu einem unvergesslich einzigartigen Erlebnis – auch wenn uns gewisse Dinge anfangs schockiert haben, zum Beispiel als wir feststellen mussten, dass elfjährige Kinder noch nie in ihrem Leben Zähne geputzt hatten.

Solch ein Tag endete stets in dem gemeinsam mit dem Centro angelegten Schulgarten. Die dort angepflanzten Gemüsesorten dienen als Ergänzung des sonst nur aus Kartoffeln oder Brot bestehenden Mittagessens für die Kinder. Wir sind davon überzeugt, dass diese Gärten nicht nur eine Änderung des Essverhaltens, sondern auch eine Verbesserung der gesamten Lebensqualität mit sich bringen.
Jedoch wird dieses Projekt erst in den nächsten Generationen wirklich Früchte tragen, wenn sich die Lebensbedingungen soweit geändert haben, dass die Umsetzung des Wissens auch im täglichen Leben möglich ist.


Adresse: Runa Masi e.V., Richard Platzer, Deglhof 15, 93142 Maxhütte-Haidhof, Tel.: 09471 307429
Franz Staudhammer, Abt-Gero-Str. 32, 84489 Burghausen Tel.: 08677 91 16 58 fstaudhammer@web.de
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