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Bolivien Reiseerlebnis


Aus dem Bolivien-Reisetagebuch von Elfriede und Franz Staudhammer, Burghausen

  5. August bis 5. September 2013



5./6. Aug. Flug: München - Sao Paulo (LH) - Asunción - Santa Cruz (TAM-Mercosur)
Santa Cruz - Cochabamba (Boliviana de Aviación/BoA)
Diese Strecke ist nicht mehr empfehlenswert, da wir mit Wartezeiten anstrengende 25 Std. unterwegs waren. Mittlerweile gibt es einen Nonstop-Flug Madrid - Santa Cruz mit „Boliviana de Aviación“.

06. Aug. Nach verspäteter Ankunft in CBB holt uns Jorge Aquino / „Coco“ vom Flughafen ab.
Dann Apart-Hotel Anteus, um richtig auszuschlafen; günstige Lage, da nur wenige Gehminuten vom Casa de Coco entfernt; Hotelzimmer wirken jedoch abgewohnt und warten auf eine Renovierung; nachmittags erstes Treffen bei Coco; Abendessen im „Casa de Campo“

07. Aug. Fahrt zur Plaza u. Geldwechsel USD->Bo; im Cafe Paris - vertrautes Ambiente;
Treffen mit Marcelo Quiroz (Sacambaya) und Kauf eines einfachen Movils mit Entel-Karte, damit sind auch Anrufe ins deutsche Festnetz konkurrenzlos günstig;
bei Cobotur Flugbuchung CBB - La Paz für 14. Aug.; Coco gibt Termin zu bedenken, da am selben Tag großer Umzug in Quillacollo; uns ist aber momentan nicht nach Trubel zumute;
abends großes Grillfest bei Coco mit vielen Freunden und Bekannten: Cocos Bruder Grover, seine Schwester aus Quillacollo, Maria Mamani (Studienpatenschaft) mit ihrem zweijährigen Sohn Marvin; Edwin Zeballos, Isabel Zabalaga, auch die Sacambayas spielen beim Fest;

08. Aug. Jorges fleißiger Mitarbeiter Victor holt uns mit der neuen Toyota-Vagoneta vom Hotel ab, da wir ja um 9:00 Uhr nach Independencia fahren wollen. Doch daran ist so schnell nicht zu denken. Coco hat noch in der Nacht Geschirr und Kleinzeug eingesammelt, nachdem sich die Gäste verabschiedet hatten; Berge von Geschirr mussten noch abgespült werden, der Vagoneta-Dachträger wurde mit allerhand Baumaterialien und drei Nähmaschinen beladen und bis Coco seinen EED-Projektantrag überarbeitet hat, ist es halbeins, bis wir losfahren können. Unterwegs noch schnell tanken, Baumaterial, Bananen u. Coca kaufen ...
In Quillacollo steigt die neue Sekretärin Andrea Lopez zu, auf die wir große Hoffnungen setzen. Sie ist kom-petent und hilfsbereit, hat uns u.a. einen BoA-Anschlussflug organisiert, der von Deutschland aus nicht buchbar war.
Wir nehmen die kürzeste und landschaftlich wohl reizvollste Strecke über Iglesiani; unterwegs an einer unübersichtlichen Kurve ein fast-Zusammenstoß mit einem Bus - Gracias a Dios - nichts passiert.

19:00 Uhr Ankunft im Kulturzentrum / CCA von Independencia; Severino u. andere CCA-Mitarbeiter begrüßen uns feierlich mit einer Ladung Konfetti; dann gibt es warmes Abendessen aus Inés Garcias Küche.
Die Praktikantin Sofie Kaufmann und Praktikant Hannes Gaiser führen uns durchs Haus: Fast alle Zimmer sind vermietet, Etagenduschen und WC‘s neu gefliest und mit Sichtschutzvorhängen versehen; auch Treppengeländer sind mittlerweile angebracht und frisch gestrichen; im Haus jedoch unangenehm kalt für verwöhnte Europäer, da wegen der offenen Bauweise ständiger Durchzug.

Der Radioreporter Macario will uns noch interviewen, Coco übersetzt in Castellano bzw. Quechua, bevor er uns zum Gästehaus Inti Wasi bringt, wo wir bei der fürsorglichen Doña Sandra Quartier beziehen.

09. Aug. Frühstück mit Mitarbeitern des Kulturzentrums CCA;
gegen Mittag Fahrt nach Chuñavi; Besichtigung der Maurerarbeiten am quadratischen Wasserspeicher, der wegen Rissen gerade neu armiert und betoniert wird. Gleichzeitig schmücken die Campesinas von Chuñavi einen Torbogen mit festlichen Calla-Blumen. Andere Frauen zerlegen gekonnt fünf frisch geschlachtete Schafe und garen die Fleischstücke zusammen mit einem Berg Kartoffeln in einem Erdofen (P‘ampaku = hier: „in der Erde gekochtes Essen“).
Auch der dirigente von Chuñavi Victor Montan, der Bürgermeister/ alcalde von Independencia Gonzalo Calcina und der Gemeinderatspräsident sind gekommen. Es werden viele schöne Reden gehalten. Als RUNA-MASI-presidente drücke ich meine Freude über den festlichen Empfang aus, betone aber auch, dass Planung und Finanzierung der Wasserprojekte stets transparent sein müssen und dass wir als Verein unseren Spendern gegenüber Rechenschaft über die projektgebundene Verwendung der Gelder ablegen müssen.
Mittlerweile ist das Festessen fertig und die gesamte Dorfgemeinschaft ist eingeladen gemeinsam zu essen und zu feiern.
Wir wandern entlang von Wasserleitungen in Richtung einer Quelle und begutachten mehrere Entsandungsbecken; Coco kann dem Bürgermeister von Inde schließlich das Versprechen abringen, die Kosten für ein Drittel des

 

 

Chuñavi-Wasserprojektes zu übernehmen (= 3. Speicherbecken).
Auf dem Rückweg nach Independencia Besichtigung

 



einer Käserei der alcaldia v. Independencia, die Joghurt u. Käse v.a. für die Schüler herstellt.;

Abends reunión im sala central mit fast allen Mitarbeitern des CCA: Jorge Aquino (Direktor), Wilder Coca (Präsident), Severino Maldonado (Vizepräsident), Francisco Fernandes (Förster, Umwelterziehung, Filmdo-kumentation), Andrea Lopéz (Administradora), Delfina Calle (Verwaltungsleiterin des Casa de la Region, Näherin), Carmen Fernandez (Bibliothekarin des CCA), Vicky Maldonado (Kunstlehrerin u. Finanzleiterin des CCA), Maribel (Radio), Macario (Radio-Interviews), Alicia Choque (Internet-Aufsicht), Sophie Kaufmann (Praktikantin), Hannes Gaiser (Praktikant);

PPP u. Videoprojektion von Severino Maldonado,
Videodokumentation über die Arbeitsbereiche von Francisco Fernandes / „Pancho“,
Info über die beiden Weiterbildungsfahrten der CCA-Mitarbeiter in die Südyungas und nach Chile;

10. Aug. Zusammen mit Alexandra Flores (Franciscos Frau) u. den beiden Töchtern Selma „Michele“ u. Minerva Besuch des Entel-“tele-centro“ mit fünf Computerplätzen, davon drei mit Internet-Zugang, zwei als Spielecomputer, welche teilweise die monatliche Miete von 500 Bs einspielen sollen (Vierjahresvertrag mit Entel); Professionelle Einführungskurse für den Umgang mit Internet u. Gefahren etc. wären nach unserer Meinung und Beobachtung wichtig!

Einladung zum Mittagessen im Carport des CCA: Chicheron mit Papas u. Motte;
nachmittags Besuch bei Vicky Maldonado , die mit Mann und Tochter Belen glücklich in einer 1-Zi-Mietwohnung lebt; abends mit Francisco u. Praktikantin Sophie Treffen bei Sr. Verena Birnbacher;

11. Aug. Frühstück im Inti Wasi, Besuch des Mercado;
Einladung zum Mittagessen bei Francisco u. Alexandra im neuen Haus in einer Baulücke oberhalb des Sozialzentrums; sehr einfach, Wellblech-Pultdach, nur EG mit Wohnzi, gemeinsames Schlafzi, kleine Küche, WC, keine Dusche; mehrere Türen u.a. Ausbauelemente fehlen noch; sehr schöner Garten in Hanglage mit vielen Pfirsichbäumen, auf dem Areal der Gemeinde Erapata mit Blick auf Independencia;

nachmittags Fahrt zum Wallfahrtsort Machaca mit frisch renovierter Kirche; der Ort wirkt wie ausgestorben, nur selten sieht man Bewohner; offensichtlich alle auswärts beim Arbeiten? Ich bemerke Coco gegenüber, dass v.a. die Plaza nicht gerade einladend wirkt und der zentrale Platz des regional so bedeutenden Wallfahrtsortes mehr Aufmerksamkeit verdient. Coco will diese Kritik bei der nächsten Versammlung sofort einbringen.

Wir lernen auch den dirigente Lucio Callata kennen, der über unseren Besuch schon informiert ist, denn er bittet uns RUNA MASIS um Zusammenarbeit beim Ausbau des Waschhaus-Obergeschoßes, wo sich Frauen zu einer Handarbeitsgruppe treffen wollen. Umfang der Arbeiten: Anschluss einer Außentreppe zum 1. Stock des Waschhauses, Material-, Transport- u. Arbeitskosten, Arbeitstische u. Stühle; Gesamtkosten: 3.250,- USD. Wir werden bei der nächsten RUNA MASI-Mitgliederversammlung den schriftlich formulierten Antrag vorlegen.

12. Aug. 6:00 Uhr früh Abfahrt von Independencia über Charahuaytu zurück nach Cochabamba - mit Unterbrechungen ca acht Stunden Gesamtfahrzeit; die Vagoneta wurde schon am Vorabend beladen mit mehreren Sack Zement, Maurerwerkzeug u.a.; drei Maurer unter Leitung von Leandro Mamani reisen mit; wir halten an in dem Straßendorf Charahuaytu, das während der Woche fast unbewohnt zu sein scheint, dafür aber an den Wochenenden bis zu 1500 Händler und Marktbesucher aufnimmt. Vergangenes Jahr wurde hier neben einem bestehenden Wasserbecken ein weiteres gemauert und zudem zwei Waschplätze eingebaut. Wir fahren ein steiles Wegstück hoch, wo die Maurer oberhalb des Dorfes auf 4000 m Höhe sich mit Schaufel und Pickel gleich an die Arbeit machen und Quellwasser zu fassen versuchen, das dann zu den Auffangbecken weitergeleitet werden soll. Bisher hat sich wohl niemand dieses Wasserproblems angenommen, denn die Arbeitsbedingungen sind nicht gerade einladend: Es ist windig und kalt, noch gegen Mittag schwimmt Eis in den Wasserpfützen und das Erdreich ist entweder gefroren oder felsig. Wegen der unwirtlichen Temperaturen wird es in Charahuaytu kein weiteres Betonbecken geben, sondern Jorge will einen Fibre-Fertigtank installieren, der auf dem Dachträger der Toyota-Vagoneta transportiert werden kann.

Wir lassen die Maurer an ihrem Arbeitsplatz zurück und fahren weiter Richtung Cochabamba. Dabei hatten wir übersehen, dass die Hauptstrecke wegen Straßenbauarbeiten nur einige Stunden befahrbar ist und zwischendurch immer wieder gesperrt wird. Deshalb weicht Coco auf das breite Flussbett des Rio Tapacari aus, der auch in der Trockenzeit von einzelnen Bachläufen durchzogen ist. Mühelos durchquert unser Allradfahrzeug die Wasserläufe.
Nach Ankunft in Cbb quartieren wir uns für zwei Nächte im Appartement von Cocos Haus ein, bevor wir weiterreisen.

14. Aug. Wir danken Jorge Aquino und den Freunden von CCA für die freundliche Aufnahme und für die umsichtige Planung unseres Besuches in Ayopaya. -

Hasta la proxima - Elfriede und Franz

 


Adresse: Runa Masi e.V., Richard Platzer, Deglhof 15, 93142 Maxhütte-Haidhof, Tel.: 09471 307429
Franz Staudhammer, Abt-Gero-Str. 32, 84489 Burghausen Tel.: 08677 91 16 58 fstaudhammer@web.de
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